Hörst du schon oder schaust du noch? Radiotipps

von Emil Schmidt

Mir geht's hier um meine Art mit Radio hören und Fernsehen schauen. Ich will Ihnen gerne meine Erfahrungen rüber reichen. Wer weiß, vielleicht ist ja das eine oder andere für Sie / Euch eine hilfreiche Anregung zum »Hören«.

Ich habe den Vorteil, dass ich schon eine gewisse Anzahl von Jahrzehnten gelebt habe und von daher mit dem Radio aufgewachsen bin. Gut kann ich mich erinnern, wie ich als Jugendlicher möglichst jeden Samstagnachmittag Fußball am großen Radioempfänger gehört habe. Ich konnte mir bildlich alles vorstellen, obwohl ich nichts gesehen habe. Diese Einbildungskraft, die über meine fünf Sinne hinausgeht, ist nicht nur bis heute so geblieben, sondern hat sich sogar noch weiter ausgedehnt. Mein Blick wird weit beim Eintauchen in das Hören - paradox, dass es hier »Blick« heißt.

Irgendwann haben wir uns zuhause in der Familie auch einen Fernseher angeschafft. Stimmt nicht ganz, ich habe ihn nämlich meiner Familie zu Weihnachten geschenkt, zusammengespart in meiner Jugend von allerlei Verwandten-Deutsche-Mark. So brauchte ich nicht mehr am Samstagabend zur Nachbarin runtergehen, um mir in schwarz-weiß »Kulenkampff« mit großer Freude anzusehen. Mit der anschließenden Hoffnung, wenn die Nachbarin noch nicht eingeschlafen war, noch so einen Hitchcock-Krimi oder Ähnliches ansehen zu dürfen. Das waren zu der Zeit meine freudigen Ereignisse mit dem Fernsehen, neben »Flipper« »Furi« und »Bonanza« am Familienfernseher und wie die Nachmittagsserien sonst noch geheißen haben.


Ich mache einen Sprung zum Heute:
Im Fernsehen schau‘ ich ganz wenige Nachrichtensendungen. Ich habe bemerkt, wie diese visuellen Eindrücke von bestimmten Ereignissen, an drei Tagen hintereinander fast immer dieselben Bilder, bei mir anfangen, einen Wirklichkeitscharakter anzunehmen. Ich muss dabei sehr aufmerksam sein, damit ich nicht in ein Statement hineinkomme mit dem Tenor: »Das ist jetzt die Realität.« Das tut mir überhaupt nicht gut.

So habe ich eine ganze Reihe von Radiosendungen in meinem Sendegebiet NRW, von denen ich mich inspiriert fühle.
Ein paar Beispiele:

  • Auf WDR 3 / Westdeutscher Rundfunk 3.Hörfunkprogramm das »Samstagsgespräch« von 8:00 bis 9:00 Uhr. https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-gespraech-am-samstag/index.html. Da werden Kulturschaffende und andere spannende Menschen ins Studio eingeladen. Der Moderator ist gut vorbereitet und so kann sich über eine Stunde lang ein aufregendes Gespräch entfalten, unterbrochen mit dazu passender Musik. Oft ist zu spüren, wie sich die beiden Gesprächsteilnehmer gegenseitig inspirieren und mit echter Neugierde Fragen gestellt werden.
  • Eine andere Sendung ist das »Lebenszeichen« https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/lebenszeichen/uebersicht-lebenszeichen100.html. Wieder Westdeutscher Rundfunk WDR. Das ist immer Sonntag 8:30 Uhr auf WDR 3 zu bestimmten Lebensthemen saft- und kraftvoll aufgetischt, eine halbe Stunde lang. Das wird auf WDR 5 am Sonntag um 13:30 Uhr wiederholt.
  • Das »Zeitzeichen« https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/uebersicht-zeitz auf eichen100.html. Eine Viertelstunde ein Blick zurück, manchmal Tausende von Jahren, manchmal nur ein paar Jahre. Auf WDR 3 17:45 Uhr oder auf WDR 5 um 9:45 Uhr.
  • »Erlebte Geschichten« https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/erlebtegeschichten/uebersicht-erlebte-geschichten100.html. Jeden Sonntag um 18:05 Uhr für 20 Minuten erzählen bekannte Menschen aus Ihrem Leben. Das sind zusammen geschnittene Interviews, die Fragen des Moderators werden weggelassen. Das macht auch den Reiz der Sendung aus.
  • Wenn ich mich zu Weltereignissen informieren möchte, finde ich das »Studio 9« auf Deutschlandfunk Kultur gut. Das gibt es viermal am Tag. Wer ganz früh aufsteht 5:00 Uhr, dann mittags um 12:00 Uhr, nachmittags um 17:00 Uhr und für Nachtschwärmer um 22:30 Uhr. Ich bekomme dort auch Informationen von Menschen, die in den jeweiligen Ländern leben und so mit ihren Erfahrungen aufwarten können. Um 17:00 Uhr höre ich diese Sendung besonders gerne, weil vorher auf dem Sender Deutschlandfunk um 16:35 Uhr »Forschung aktuell« läuft. Da bin ich meistens erst gegen 16:53 Uhr dabei, weil dann in kompakter und spannender Form in ein paar Minuten die neuesten Forschungsergebnisse aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen kommen.

 

Insgesamt: Ich fühle mich mit den obigen Radiosendungen auf einem schönen Weg. Sie sind nicht die neue Wahrheit, sondern eine Erweiterung meines Horizonts. Ich schaue, besser gesagt höre in zum Teil neue Bereiche des Lebens hinein. Zudem kann ich mit diesen Hintergründen besser wählen, auf welchem Feld ich mich engagiere und welche uralten Machtspiele nicht mehr die meinigen sind.

Wir brauchen ja nicht mehr zu genannten Zeiten vor einem Radioempfänger zu sitzen. Jeder Sender hat eine Mediathek zum Nachhören und die Möglichkeit des Herunterladens mit dem Podcast. Und wer irgendwo in der Welt unterwegs ist, kann sowieso alle Sender via Internet empfangen.

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