... Und jetzt?

von

 

 

Diagnose Krebs ...

Eine halbe Stunde später ist der Schock in mich hineingesackt. Gleichzeitig weiß ich den Hintergrund: Ich habe an einer bestimmten Stelle in meinem Leben nicht gut genug, besser gesagt nicht 100 % für mich gesorgt. Der Verstand hat jetzt mit dieser Erkenntnis sein Futter und steht bei dem, was jetzt ansteht, den Gefühlen, den Empfindungen, den Tränen, nicht mehr im Weg.

Das kenne ich gut. Es ist nicht die erste Grenzerfahrung in meinem Leben. Ich kann mich dem Eigentlichen widmen, weil ich jetzt noch die Wahl habe, mich führen zu lassen, die Erlaubnis zu geben, dass dasjenige, was für mich stimmt, sich auch zeigen möge.

Und so geschieht es auch. Bis jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, ist es immer noch ein Segen und ein Wunder, von was ich alles gefunden werde:

  • Einem Arzt, der empfiehlt, mich um eine zweite Facharztmeinung zu kümmern.
  • Die Hand mit der Maus am Bildschirm auf der Suche nach diesem zweiten Arzt. Es mag sich komisch, ja bizarr anhören und lesen, doch es ist genauso: Meine Hand stoppt ohne irgendeinen Gedanken an einem mir fremden Facharzt bei der Suche auf dem PC-Bildschirm. Der Anruf dort mit dem Hinweis, ja, vielleicht in drei Monaten ein Termin. Halt, da hat gerade jemand abgesagt. Können Sie übermorgen um 11:00 Uhr? Ja natürlich und nichts wie hin.
  • Dieser Arzt wundert sich, um es vorsichtig auszudrücken, über den Vorschlag des ersten Arztes. Deshalb gleich sein Vorschlag; »Ich habe da einen Kollegen, der macht eine spezielle OP seit Jahren und täglich. Ich rufe gleich am Wochenende bei ihm an«.
  • Am Anfang der nächsten Woche bekomme ich einen Rückruf aus dieser Klinik zum ersten Vorgespräch und dann ist auch der OP-Termin zeitnah möglich - und das in Covid19 Zeiten!

Alles geht gut. Ich bin überrascht, wie schnell ich entlassen werden soll, freue mich natürlich. Und dann der nächste Schock: Kurz vor meiner Einlassung zeigen sich plötzlich unerwartete Schwierigkeiten im Körper.

Was ist, wenn bald der letzte Atemzug auf dieser Erde kommt? Todesangst. Auch hier spüre ich deutlich, ich habe jetzt noch eine Wahl, mich dieser Angst auszuliefern oder mit ihr zu gehen. Hört sich so einfach an. Ist es auch und dann doch wieder nicht.
Etwas in mir weiß: Atme diese Angst ein. Ich tue es, in Verbindung mit anderen Techniken, besser gesagt Kunstfertigkeiten, atme bewusst in mein Herz ein. Voll und ganz. Die Todesangst geht nicht einfach so weg, ich habe sie auch nicht weggeschoben. Aus Erfahrung weiß ich, sie käme dann besonders stark zurück. Und doch, »etwas« verändert sich, hat sich schon verändert.

»Haben Sie schon was gegessen fragt der Arzt? Nein, dann kann ich ja versuchen, für heute Nachmittag noch einen OP Termin für Sie zu finden.«
Ich bin gerade auf meinem Zimmer angekommen, schon kommt die Krankenschwester: »Sie kennen das ja. Ziehen Sie das OP-Hemd an. Es geht gleich los!« Was für ein erneutes Geschenk!
Das Problem kann mit der zweiten OP gelöst werden. Zwei Tage später darf ich endgültig nach Hause gehen.

Ich habe die Angst genommen, so wie sie ist und dorthin hineingenommen, wo sie am besten aufgehoben ist, in meinem Herz. Sie hat einen Platz gefunden, sie darf sein. Sie hat nicht mehr meinen Hauptfokus. Ich bin nun einverstanden.

Was für ein Geschenk, wenn ich nicht suche, sondern mich führen lasse. Jedes Mal darf ich es lernen, neu lernen. Und auch immer wieder dieselbe Übung: Da bin ich doch, meine ich zumindest, schon weit in meinem Leben gekommen. Was heißt eigentlich »weit gekommen«? Letztlich stehe ich wieder an einem neuen Anfang, wenn auch nicht derselbe wie schon ein paar Mal.
Wenn ich bereit bin zu lernen mit der klaren Empfindung, mit dem Lernen nicht am Ende zu sein und dann noch die Erlaubnis gebe, dass ich nicht zu suchen brauche, sondern gefunden werde, dann ist alles gut. Wirklich gut.

Ist es das, wenn Josef Beuys sagt, dass wer den Tod nicht kennt, wisse nicht, was Denken ist? Oder wenn wir immer wieder lesen, dass nur der leben kann der sterben kann?
Mir ist das alles manchmal ein bisschen zu großartig. Jede und jeder hat seinen Weg. Kein Weg ist besser oder schlechter. Ich möchte keinen meiner Stolpersteine missen. Im Nachhinein gesehen sind es auch gar keine Stolpersteine mehr.

Was bleibt ist Gewissheit, die erneute Gewissheit darüber, dass es mehr, viel mehr gibt als dieses irdische Dasein. Und dass dieses irdische Dasein mich mit großer Dankbarkeit erfüllt.

Das kann passieren, wenn wir uns an das, was ist, hingeben. Ist es einfach? Ja. Ist es leicht? Nein, weil sich Muster in uns eingeprägt haben. Wir möchten das Unangenehme möglichst schnell weghaben. Doch hinter all dem Schmerzlichen steckt etwas Kraftvolles. Das zeigt sich erst bei der Annahme dessen, was ist: Wir können das Leben nehmen, wie es sich uns zeigt und damit den nächsten Schritt zu unserer persönlichen Bewusstseinserweiterung machen. Demut, Wertschätzung und Respekt uns selbst gegenüber und damit ganz natürlich den Anderen gegenüber darf die Folge sein.

Welch ein Geschenk! Welch ein Segen!

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Kommentare

Kommentar von Ursula |

Ein ganz toller Artikel, regt zum Nachdenken und Diskutieren an und zum Umsetzen. Danke.

Kommentar von Christine |

Lieber Emil,

vielen Dank, dass Du uns alle an dieser plötzlichen Angst und Todesangsterfahrung teilhaben lässt und vor allem, wie wunderbar erfolgreich - in jeder Hinsicht - Du damit umgehen konntest. Wir sind nicht allein, wir werden geführt - im sichtbaren wie auch im unsichtbaren -, wenn wir es in unserem Bewusstsein zulassen.

In jeder scheinbar noch so schlimmen Situation liegt eine große CHANCE zu Wachstum, Heilung und Ganzwerdung. Ja, eine solche Situation kann tatsächlich jederzeit jeden von uns treffen - unabhängig vom Alter - insofern nochmals VIELEN DANK für Deine positive Inspiration. (ich habe mich vor vielen Jahren näher mit der Neuen Germanischen Medizin v. Geerd Hamer beschäftigt, insofern weiß ich auch, dass jeder Form von Krebs als seelisch-geistige Ursache ein individueller sog. "Konflikt-Schock" voraus gegangen ist, auch wenn er teils schon Jahre zurück liegt. Diesen "Konflikt-Schock" gilt es zu erkennen um ihn dann bewusst anzunehmen und die damalige Situation in die Selbstvergebung und Vergebung zu transformieren. So kann der Körper sogar wieder alleine in die Heilung gehen.

Liebe Grüße und weiterhin alles Gute,

Christine

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