Diesmal nicht von mir ...

von Emil Schmidt

… denn die Zeilen des Schweizer Philosophen Peter Bieri - bekannt als Autor des Romans »Nachtzug nach Lissabon« unter dem Pseudonym Pascal Mercier - haben ein innerliches Ja in mir ausgelöst. Die Klarheit von Bieri spricht für sich.
Als ausgebildeter Philosoph mag ich mittlerweile nur noch Konzepte schauen, die an persönliche Erfahrung gebunden sind. Hier spricht ein Philosoph aus vitaler Erfahrung. Und hier die Zitatcollage:

»Ausbildung ist stets an einem Nutzen orientiert. Man erwirbt ein Know-how, um etwas machen, etwas erreichen zu können. Mit Bildung ist es anders: Zwar bringt sie Fähigkeiten mit sich, und einige von ihnen sind auch nützlich. Aber das ist nicht das Entscheidende. Bildung, wie sie hier verstanden wird, ist ein zweckfreier Wert, ein Wert in sich. Es wäre falsch zu sagen, sie sei ein Mittel, um glücklich zu werden, denn Glück kann man nicht planvoll ansteuern. Und natürlich ist es auch nicht so, dass es ohne Bildung kein Glück gibt …

Aber es gibt Erfahrungen des Glücks, die aufs engste mit Facetten der Bildung verknüpft sind: die Freude, an der Welt etwas besser zu verstehen; die befreiende Erfahrung, einen Aberglauben abzuschütteln; das Glück beim Lesen eines Buchs, das einen historischen Korridor öffnet; die Faszination durch einen Film, der zeigt, wie es anderswo ist, ein menschliches Leben zu führen; die beglückende Erfahrung, eine neue Sprache für das eigene Erleben zu lernen; die überraschende Erfahrung, dass sich mit dem Anwachsen der sozialen Fantasie der eigene innere Radius vergrößert.


Das gilt vor allem für die Fähigkeit, die wir Einfühlungsvermögen nennen. Sie ist ein Gradmesser für Bildung: Je gebildeter jemand ist, desto besser kann er sich ausmalen, wie es wäre, in der Lage Anderer zu sein, und dadurch vermag er, ihr Leid zu erkennen. Bildung macht präzise soziale Fantasie möglich, und in dieser Form ist Bildung tatsächlich ein Bollwerk gegen Grausamkeit.
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